Donnerstag, 20. August 2009, 20.00 Uhr
Veranstaltungsort: Schloss Dyck*
KONZERTKUNST VOM FEINSTEN
Eröffnungskonzert des Niederrhein-Musikfestivals 2009
GALATEA QUARTETT
GUIDO SCHIEFEN - VIOLONCELLO
WEN XIAO ZHENG - VIOLA
(1770 - 1827)
WoO 32
(ohne Tempoangabe)
Minuetto
(1809 - 1847)
Allegro assai appassionato
Scherzo: Allegro di molto
Andante
Presto: Agitato
(1833 - 1897)
Allegro ma non troppo
Andante ma moderato
Scherzo: Allegro molto
Rondo: Poco allegretto e grazioso
Romantische und klassische Konzertkunst vom Feinsten - das ist das Motto des Eröffnungskonzerts des Niederrhein Festivals 2009. Die Veranstalter haben mit dem Galatea Quartett ein junges Ensemble ausgewählt, das in seinem Heimatland, der Schweiz, bereits einen wichtigen Preis gewonnen hat. Unterstützt werden sie von Guido Schiefen und dem jungen Wen Xiao Zheng, der im letzten Jahr den ARD-Wettbewerb gewonnen hat. Die Musiker präsentieren selten gespielte Werke des Kammermusikrepertoires, die zum Teil sinfonischen Anspruch haben, zum Teil mit einer Minimalbesetzung agieren.
Dies gilt für den ersten Programmpunkt, Beethovens Duo für Violine und Violoncello mit dem humorigen Titel "Duett mit zwei obligaten Augengläsern". Hier spielt Beethoven wahrscheinlich auf die Musiker an, für die er das Stück geschrieben hat - die offensichtlich Brillenträger waren. Das Stück selbst ist jedoch weniger humorig, sondern zeigt eine ernstzunehmende kammermusikalische Anlage. Tatsächlich sind von dem Werk nur Skizzen vorhanden. Offensichtlich hatte Beethoven vor, insgesamt vier Sätze zu verfassen, ist jedoch über die Arbeit an einem Eröffnungssatz und dem Menuett nicht hinausgekommen.
Das Streichquartett op. 44 Nr. 2 hat Mendelssohn mit 18 Jahren geschrieben. Noch zeigt sich die Suche nach einer eigenen Musiksprache. So verwendet er für den ersten Satz das Thema aus einer späten Mozartsinfonie. Doch gleichzeitig wird die ganze Akuratesse des Hochbegabten deutlich, in der Themenbearbeitung etwa, die nie gekünstelt, sondern immer voller Schwung und Feingefühl ist. Und im Scherzo ist der Mendelssohn präsent, wie man ihn aus seiner Theatermusik zum Sommernachtstraum kennt, die er zwei Jahre zuvor geschrieben hatte.
Brahms' Streichsextett hat eine ganz eigene, dunkle Klangfarbe, die durch die doppelte Besetzung der tiefen Streichinstrumente hervorgerufen wird. Womöglich wollte Brahms mit diesem Werk für spätere sinfonische Projekte "üben". Tatsächlich hat er jedoch ein Werk geschaffen, in dem die Melodie im Vordergrund steht. Wie nur ganz selten beim späteren Großmeister der Sinfonik kann der Hörer eine Fülle melodischer Einfälle voller Wohlklang geniessen.
*im Innenhof Schloss Dyck, bei schlechtem Wetter im Festsaal



